Mediaval-Bote

Nachrichten vom Goldberg

Grußwort

Capella Bardica Ein Vogel

Als eines Abends auf dem dritten Festival-Mediaval in einem lockeren Gespräch zwischen Bläcky und Romulus die Idee aufkam, eine Art "LARP-Bigband" auf die Beine zu stellen, war der Grundstein für die Capella Bardica gelegt. Zwei Jahre später standen zu nachtschlafender Stunde 14 LARP-Barden aus ganz Deutschland zusammen für ein einmaliges Latenight-Konzert voller typischer Liverollenspiel-Lieder auf der Bühne. Auch wenn es erst einmal recht leer war: Schandmaul hatten leider ein wenig überzogen, weshalb das Publikum sich noch fast komplett an der Schlossbühne befand, und wir vor einer Handvoll Leute zu spielen begannen. Beim zweiten Lied war dann plötzlich gefühlt der gesamte Vorplatz an der Burgbühne voller Leute, bis zwischen die Stände. Die Stimmung war großartig - sowohl auf, als auch vor der Bühne. Und so kam es, wie es kommen musste: Es blieb nicht bei diesem einmaligen Konzert und im vergangenen Jahr gab es eine Wiederholung. Und wer weiß - vielleicht geht es ja auch in Zukunft noch weiter mit unserem bunten Zusammenschluss. Wir alle empfanden diese beiden Konzerte als absolute Highlights unserer bisherigen Bardenkarriere und können Bläcky und dem Mediaval-Team gar nicht genug danken, dass wir diese Erfahrung machen durften. Alles Gute zum Jubiläum!

Capella Bardica

Bild des Tages

Foto von Bernd Sonntag

Von Geistern, Kriegern, einem Huhn, Luther und Unterhessen

Das erste Spektakel begann mit Verspätung. Damit sich das Publikum nicht langweilte, griff Norri von Corvus Corax zur Pauke und eröffnete die Vorstellung vom „Fluch des Drachen“. Gordon dirigierte den preisgekrönten Autor Markus Heitz, Norri und Castus von Corvus Corax. Das Literaturzelt platzte aus allen Nähten vor gut unterhaltenen Fans, die die Künstler im Anschluss noch im Signier- und Buchverkaufszelt belagerten.

Im Anschluss gab Susanne Pavlovic gut gelaunt einen Einblick in die von ihr erdachte Welt Abrantes, die der Autorin bereits für fünf ihrer Werke als Hintergrund diente. An diesem Abend präsentierte sie ihre über 2000-seitige Feuerjäger-Saga. Der erste Band „Die Rückkehr der Kriegerin“, gewann 2016 den Deutschen Phantastik Preis. Mit Enthusiasmus las Susanne von ihrer sympathisch kantigen Heldin Krona, die gemeinsam mit einer Zwergenarmee einen Lindwurm zu besiegen hatte – unmöglich ohne die richtige Portion Schnaps. Wer von Susanne und ihrer Welt mehr erfahren möchte, hat heute um 18 Uhr noch einmal die Gelegenheit, das „Spielmannslied“ von ihr zu hören.

Im zarten Grundschulalter auf den Geschmack gebracht, ließ Astrid Rauner nie mehr von ihrem Thema, den Kelten und ihrer Kultur, ab. Das Wenige, was man über die Kelten weiß, inspirierte sie nicht nur zu einem zweiteiligen historischen Roman, sondern auch zu einem Fantasy-Dreiteiler mit historischen Elementen. Im Literaturzelt trug sie dynamische Szenen aus dem ersten Band des „Berg der Kelten“ vor, feinfühlig begleitet von Armin Graf von Brühl-Rauls an der Irish Bouzouki. Einen weiteren Einblick in ihr Schaffen gibt die charmante Autorin am Sonntag um 14.30 Uhr.

Tommy KrappweisTommy Krappweis kennen die Besucher, die schon ein paar Jahre aufs Mediaval kommen oder die „Mara und der Feuerbringer“ gelesen oder geschaut haben. Er eröffnet den heutigen Freitag im Literaturzelt mit „Fantasy und Humor“ um Viertel nach Drei.

Kennt Ihr auch Johannes Petzensteiner? Wenn nicht, solltet Ihr ihn unbedingt kennen lernen. Er muss Martin Luther durch das spätmittelalterliche Worms während des Reichstages 1521 begleiten. Luther, der vor dem Kaiser seine Thesen widerrufen soll, wird beschuldigt, einen Druckergesellen zum Mord angestiftet zu haben. So ernst das Thema auch ist: Die Lesung mit Matthias Eckholdt, der aus dem Hörspiel kommt, und Tatjana Rese, die mit dem Theater verheiratet ist, wird ein Fest.

„Das besondere wird sein, hier Leute zu treffen, die gedanklich schon in der Zeit des Mittelalters sind“, hofft Robert Focken, Autor der Arnulf-Saga. Er freut sich auf Zuhörer, die Spaß daran haben, „ihre Phantasien in Abenteuern wieder zu finden, die ich mir für sie ausgedacht habe.“ Arnulf - Sohn des Volkes - geht unbeirrbar seinen Weg und wird einer der wichtigsten Krieger im Heer König Karls.

Peter Lancester haben wir nicht für seine schrecklich gruseligen Horrorgeschichten eingeladen, mit denen er alle zum Schaudern bringt, sondern mit einer völlig schrulligen Geschichte. Wenn er liest, wie er schreibt, wird das eine tragikomische Stunde voller Staunen über absonderliche Gestalten sowohl in unserer, wie auch in der Anderswelt.

AR, AMS, SP

Black Stage

Tretet ein und lasst Euch wohlige Gruselschauer über den Rücken jagen.

Zum Jubiläums-Festival-Mediaval gibt es eine neue Attraktion: Die Black Stage. Es handelt sich dabei um einen 37 Meter langen, schwarzen Tunnel. Darin befindet sich eine magische Welt, die der Zuschauer selbst erkunden muss. Es ist für Erwachsene eine ebenso spannende Erfahrung wie für Kinder. Daher gibt es auch keine Altersbeschränkung nach oben oder unten.
Die Idee, den Laubengang hinter der Gesindeküche für das Festival zu nutzen, kam Bläcky beim Abbau 2016. Er stand davor, blickte hinein und nahm einen Tunnel wahr. Und in diesem Moment war die Idee geboren, ihn als Bühne zu nutzen.
Er sah sich auf Eventmessen bei Theatergruppen aus ganz Europa um und so wurde er schließlich auf das Projekt „Grusel - Gewusel“ aufmerksam.

Dieses wurde vor 10 Jahren von „Balu“ Benjamin Köhl gemeinsam mit Freunden entwickelt. Entstanden ist die Idee bei einer Halloweenparty in den Gewölben eines Hofguts. Die Umsetzung wurde auf verschiedenen Festivals ausprobiert. Damals arbeitete Balu noch als Sozialpädagoge in der Kinder- und Jugendarbeit. Seit 4 Jahren widmet er sich ausschließlich dem Grusel – Gewusel und ist überwiegend auf Festivals und Stadtfesten unterwegs.
Es gibt einen festen Mitarbeiterstamm. Der weitaus größere Teil der Mitstreiter ist aber variabel und wird je nach Anforderung und persönlichem Kalender eingesetzt. Alle, die sich dort engagieren, kommen aus dem künstlerischen oder sozialen Bereich. Wie zum Beispiel Gwendolin Stisser, die als Schauspielerin und Theaterpädagogin arbeitet. Sie war vor einigen Jahren selbst als Zuschauerin beim Grusel -Gewusel und fand die Idee toll. Da sie, wie Benjamin Köhl auch, aus Stuttgart kommt, liefen sie sich ungefähr vier Jahre danach wieder über den Weg und kamen ins Gespräch. Seither arbeitet sie als freie Mitarbeiterin mit. Balu koordiniert die Gruppe und fordert bei bestimmten Events auch bestimmte Charaktere an.
Da sich die Crew immer wieder ändert, und dadurch auch die Interpretation der Darstellung, wird ein Besucher, der das Grusel-Gewusel in der Black Stage in Selb und dann an einem anderen Ort besucht, zwei verschiedene Erlebnisse damit haben.
Das Festival-Mediaval ist übrigens das erste Mittelalterfestival, an dem das Grusel-Gewusel teilnimmt.

Die Zuschauer sollten unbedingt bereit sein, sich darauf einzulassen. Denn nur dann werden sie in eine wunderbare Zauberwelt eintauchen können.

Elke Schertel

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Der Ritterladen Der Ritterladen

Bucht für Bucht: Piratenfloß

Wer schon mal während des Mediavals in den letzten 3 Jahren an dem Goldbergsee vorbei kam, konnte das Piratenfloß nicht übersehen. Vor der Öffnung des Geländes treibt es mitten auf dem See. Abends legt es an und wenn man nicht seekrank wird, kann man dort den ein oder anderen edlen Rumtropfen genießen.

Aber beginnen wir am Anfang. Man stelle sich vor: ein Admiral, der Kopf eines Festivals und ein Techniker sitzen mäßig bis sehr betrunken, wahrscheinlich an einer Feuerstelle und träumen die ein oder andere Schnapsidee durch. Eine von diesen Ideen bleibt hängen. Lasst uns doch ein Floß bauen… aus zusammengebundenen Baumstämmen… auf dem man Rum trinken kann…mit Piraten.

Das kann man alles so tun, mit gar nicht mal so viel Aufwand. Man kann es aber auch übel eskalieren lassen. So sehr, dass extra für dieses „Fahrzeug“ eine neue Schiffsklasse beim TÜV kreiert wurde: das Piratenfloß! Aus den zusammengebundenen Baumstämmen wurden Fässer mit einer Holzkonstruktion. Diese wurde beplankt, es kam ein Geländer rund herum und es wurde ein Mast gesetzt.

Nun hat das Piratenfloß erstmal bis 2019 TÜV, ist für den Besucherverkehr zugelassen und besitzt eine erlesene Rumbar mit unzähligen Rumsorten aus der ganzen Welt. Mit viel Liebe zum Detail wird es jedes Jahr aufs Neue ausstaffiert. Auch die Piraten geben sich viel Mühe bei Ihren Kostümen und nehmen kein Blatt vor den Mund. Ab und an wird es zur Bühne umfunktioniert, sodass man von Land aus eine tolle Ansicht des Konzertes hat. Wenn die Bucht geöffnet ist findet ständig pöbelnde und meist betrunkene Piraten an Board. Aber keine Sorge die beißen fast nicht.

Auch dieses Jahr habt Ihr wieder die Möglichkeit das Floß zu betreten und in die abenteuerliche Welt der Seefahrt einzutauchen. Piraten gibt es seit jeher und so natürlich auch im Mittelalter, daher sind nicht nur Piratenfans eingeladen, sondern jeder wagemutige, der Lust hat über die Planke zu gehen. Im Zweifel ist der Goldbergsee gar nicht so tief, befragt ruhig mal den Admiral dazu.

Jubiläumsinterview: PurPur

PurPur PurPur

1. Ihr Zwei seid die heimlichen Stars des Festival-Mediavals. Immer dabei und egal wo und wie oft ihr auftretet, der Zuschauerzuspruch kann Euch sicher sein. Das Publikum liebt Euch also, was liebt ihr am Festival-Mediaval?
Die heimlichen Stars? hihi ok…wenn du das sagst! Wir lieben am FM auf jeden Fall die ganze Atmosphäre. Die ist etwas Besonderes. So familiär und einfach so nah dran am Publikum und das ist das was wir mit PurPur so gerne mögen. Es ist der wunderschöne Mittelaltermarkt auf dem Goldberg und diese vielen Bands aus der ganzen Welt, die aber so nah beieinander im Backstage zusammen sind. Und auch zusammen musizieren. Schön ist auch, dass es so wenig Distanz gibt zwischen Draußen und Drinnen, zwischen Fans und Musikern, und dass alle zusammen dieses wie es sich anfühlt kleine, feine Festival zu genießen, obwohl es eigentlich so groß ist.

2. Was war Euer persönliches Highlight der letzten 9 Festivals?
Ein persönliches Highlight lässt sich eigentlich nicht benennen. Sicherlich, sagt Judith, war es unser Auftritt, als wir den goldenen Zwerg gewonnen haben. Das war einer unserer ersten Auftritte überhaupt - und dann gleich ein Sieg. Dann natürlich der Auftritt auf der Schlossbühne im Jahr darauf. Da kamen wir uns unglaublich winzig vor, aber es war einfach großartig. Und ansonsten ist eigentlich jedes Jahr das FM unser persönliches Konzerthighlight, weil so viele tolle Fans da sind und so viele tolle Künstler.

3. Was würdet Ihr verändern, wenn ihr könntet?
Oh - da mussten wir wirklich sehr lange überlegen. Ein bisschen mehr Abwechslung bei den kleinen Gerichten vom Caterer wäre schön. Judith hat noch gesagt vielleicht wäre es auch noch toll, wenn der goldene Zwerg statt nicht so unfassbar riesig und leider auch echt sehr nackt und nacktärschig und nackbrüstig irgendwie so wäre, dass man ihn Zuhause ausstellen kann. Das wäre toll! Quasi so Oscar groß.

4. Ihr seid ja fast ständig am Musizieren, was machen PurPur am liebsten beim Festival Mediaval, wenn ihr ausnahmsweise Pause habt?
Ich glaube da geht’s uns wie allen anderen Besuchern des Festivals auch. Dann hören wir anderen Bands zu. Oder gehen über den Markt, wo wir auch schon einige Leute Jahr für Jahr immer wieder treffen. Sind in den Lagern, besuchen dort Leute. Genießen einfach die ganz besondere Atmosphäre des Festival-Mediaval.

5. Wie lebt es sich denn auch musikalisch gesehen als doppeltes Lottchen, ich selbst kann Euch ja immer noch nicht auseinanderhalten.
Es lebt sich super als doppeltes Lottchen. Das ist natürlich auch ein Stück weit unser Markenzeichen. Wir betonen ja auch unsere Ähnlichkeit mit den Purpur - Kostümen noch mal extra, versuchen die Frisuren ähnlich zu machen, etc., weil es eben eh nicht so viele Frauen in der Mittelalter- Folk- Szene gibt, aber Zwillinge gibt es ganz, ganz selten. Und welche, die als Duo nur zu zweit Musik machen…wüsste ich gerade nicht. Es ist ein harmonisches und manchmal nicht ganz so harmonisches Miteinander. Aber wie das halt bei Zwillingen ist: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Es ist schon eine besondere Chemie, die da herrscht. Genetischer Vorteil…wie uns manchmal nachgesagt wird von Musikerkollegen. Fieser genetischer Vorteil!´

6. Ihr steht ja beim Festival schon immer mit den verschiedensten Musikern auf der Bühne. Am liebsten wohl mit Euren Freunden von Saitenweise. Mit wem würdet ihr denn gerne mal auf der Bühne stehen?
Das ist tatsächlich eine gar nicht so einfache Frage. Letztlich wäre es für Judith jemand aus dem Folkbereich, z.B. Cara, die wir ja auf dem FM das erste Mal Live gesehen haben. Oder eine Dame, die uns damals zum Irish Folk gebracht hat, Cara Dillon, die leider noch nie auf dem FM dabei war, aber großartig hinpassen würde. Ansonsten bei mir, der Tini, gibt es ganz viele Künstler mit denen ich gerne mal auf der Bühne stehen würde. Letztendlich jeder, der mit uns gerne mal auf der Bühne stehen möchte - bitte melden. Wir sind für jeden Spaß und für jede PurPur-stimmige Überraschung auf der Bühne zu haben.

7. Ihr seid auch in der Larp Szene unterwegs. Was macht für Euch den Reiz aus?
Tatsächlich ist nur noch die Tini im Larp-Bereich unterwegs. Judith war mal mit dabei, auch wegen der Musik, damit habe ich sie damals so ein bisschen angefixt, dies doch mal auszuprobieren und das Lagerfeuerromantische war auch etwas was ihr sehr gut gefallen hat. Mittlerweile geht sie aber nicht mehr auf Liverollenspiel. Für mich, Tini, macht den Reiz vor allem diese Möglichkeit aus in eine andere Rolle zu schlüpfen, Aspekte von sich selbst dort auszuaddieren, auch mal extremer. Ob es jetzt der Wunsch ist mal auf die Pauke zu hauen, wirklich Spaß zu haben, frech zu sein, laut zu sein. Da hat mir tatsächlich auch das Liverollenspiel geholfen ein bisschen mehr aus mir raus zu kommen. Oder auch auf anderer Seite mal etwas was im wahren Leben keinen Platz hat oder wenig Raum. Eben auch diese Lagerfeuerromantik, dieses Musizieren, Abenteuer erleben, und einfach Situationen, die einen aus dem Alltag herausbringen in eine andere fantastische Welt. Von der man sich dann ja auch wieder musikalisch inspirieren lassen kann. Also so sehe ich das schon gerade auch als Inspirationsquelle, als Flucht vor und zu sich selbst und vor dem schnöden Alltag.

8. Die letzte Zeit habt Ihr an Eurem neuen Album „MaidenWerk“ gearbeitet. Dazu habt ihr auch ein erfolgreiches Crowdfunding durchgeführt. Wie ist Eure Erfahrung mit dieser Art der Musikfinanzierung?
Korrekt. Wir haben über die letzen 6 Monate an der CD MaidenWerk, unserem 4. Album, gearbeitet, haben parallel aber auch unser erste Album Gabria und Leonora komplett neu aufgenommen im Studio und das ist eigentlich einer der wesentlichen Gründe warum wir auch ein Crowdfunding gemacht haben. Weil eine CD zu produzieren aus sich selbst heraus, mit eigenen Finanzen, das ist schon ein Akt für eine kleine Band wie uns. 2 CDs ist aber, auch wenn natürlich viele Synergieeffekte dabei entstehen, weil man ja eh schon im Studio ist, weil die Gastmusiker auch schon im Studio sind usw., nochmal eine ganz andere Sache. Und wir haben es mal grob überschlagen, ohne irgendwelche Zeiten zu berechnen, die wir da verbracht haben, natürlich mit Vorbereitungen usw. sind es ca. 10.000 Euro, die da so direkt rein geflossen sind und das ließ sich einfach nicht von selbst stemmen und deswegen haben wir ein Crowdfunding gemacht. Das haben wir bei unseren T-Shirts schon mal getestet und haben das Glück jetzt auch durch die 10 Jahre eine zwar nicht riesige Fanbase zu haben im Vergleich zu manchen andere Bands in der Szene, aber eine sehr treue und eine sehr liebenswürdige, in dem Sinne, dass sie uns eben gerne unterstützen und deswegen sind unsere Erfahrungen mit dieser Art Musikfinanzierung eben sehr gut. Man muss ein Konzept haben, man muss eine Fanbase haben und dann sollte man einfach ehrlich sein. Hey Leute ihr wollt es haben, dann helft uns dabei. Gerade für kleine Bands ist das eine großartige Sache.

9. Inzwischen gibt es auch schöne PurPur Shirts, das Musikunternehmen wächst also weiter. Wie kriegt man das denn neben dem Job bzw. Studium alles auf die Reihe.
Musikunternehmen - letztendlich kann man das so sagen. Ja wir haben jetzt T-Shirts. Das haben wir uns ein bisschen für das 10-Jährige Jubiläum vorgenommen. Das kann doch nicht sein, dass wir keine Fanshirts haben und haben das auch durch ein Crowdfunding finanziert. Weil wir eben nicht so gut abschätzen können, gerade bei kleinen Bands, wie viel bekommt man denn abgesetzt und so war das Ganze im Grunde schon finanziert. Das war sehr gut. Aber es stecken mittlerweile ja auch noch ganz andere Sachen dahinter. Eben jetzt z.B. 2 CD Produktionen parallel, wir haben unsere Auftritte wenn auch leider nicht so viele, weil Judith durch ihre Doktorarbeit doch zeitlich sehr eingebunden ist. Wie kriegt man das neben dem Job bzw. der Promotion hin? Die Antwort lautet: Nur so halb, denn letztendlich ist es so, dass Judith sich versucht so viel Zeit wie möglich zu nehmen. Das sind aber im Wesentlichen Auftritte und hier und da auch grafische Dinge und natürlich Kreatives, also Liedschreiben wo es eben geht, und den ganzen Rest, die organisatorischen Sachen mache ich, die Tini. Das ist über die Jahre so entstanden, auch mit meinen anderen Projekten, wie „Heiter bis Folkig“, wo wir auch im März erst eine CD fertig gestellt haben. Oder dem neuen Projekt, an dem ich gerade dran bin, „Devils Eden, was so ein bisschen in die Rock-Pop-Country-Richtung geht oder auch mit meinem Solo-Projekt „Tini“, wo ich Folk, etwas Game of Thrones und Larp thematisch aufnehmen will und auch schon drüber bin. Das hat sich alles immer mehr gesteigert in den letzten Jahren, dass ich jetzt zum 1.9. meinen letzten Nebenjob, den ich über die Jahre immer noch hatte, gekündigt habe und gesagt habe, gut ich versuch es mal nur mit Musik. Da ist „Patreon“ eine ganz großartige Sache. Das ist eine Plattform, im Grunde wie Crowdfunding, nur monatlich und kontinuierlich. Da können also Fans einen Künstler durch kleinste Beiträge wie 1-2 Dollar unterstützen, damit man erst einmal zweckungebunden seine Kunst machen kann, weil Kunst eben nicht immer nur direkt projektbezogen ist, sodass dabei unbedingt etwas rauskommt, was man dann auch verkaufen kann, gerade im Musikbereich. So hat man mit genügend Unterstützung die Ruhe sozusagen zu wissen, dass wenn es ganz schlimm läuft, meine Miete bezahlt ist. Und da bin ich jetzt mittlerweile bei über 50 sogenannten „Patreons“ und die bezahlen mittlerweile die Miete für mein WG-Zimmer und für meine Versicherung und das ist schon eine große Erleichterung, wenn man sich als freischaffender Künstler in die große Welt wagt in der nichts sicher ist. Und so bin ich, Tini, jetzt Vollzeit-Musikerin und Traurednerin und Judith ist quasi als leidenschaftliche Amateurin, im wahrsten Sinnen des Wortes als Liebhaberin der Sache soweit sie kann, dabei.

10. Pur Pur gibt es ja als Musikername noch mal. Dahinter verbirgt sich eine Pur-Coverband die mit Euch ja nichts zu tun hat, es sei denn ihr tretet auch noch Inkognito als Martin Engler Double auf. Lustige Vorstellung übrigens. Ist das Eure Musik, oder was hört ihr Zwei eher, verbirgt sich gar in Euch eine Metal-Seele?
PurPur gibt es tatsächlich nicht nur einmal. Es gibt diverse, wie wir im Nachhinein festgestellt haben, wenn auch nicht aus dem Mittelaltergenre, die Purpur heißen, die werden aber alle anders geschrieben. Nämlich mit einem kleinem p in der Mitte, oder auseinander. Drum müssen wir auch immer darauf bestehen, dass man uns richtig schreibt. PurPur. Und deswegen machen wir uns auch immer einen Spaß daraus CDs so zu benennen, dass in der Mitte noch mal ein Großbuchstabe kommt, auch bei MaidenWerk, obwohl es zusammengeschrieben wird. Echt, ne Pur Coverband? Ob Pur unsere Musik ist? Nein! Deutschrock gibt´s auch ein paar coole Sachen aber im Wesentlichen hören wir beide gerne melodische, akustische, handgemache Musik. Stimmen sind uns einfach sehr wichtig, was man ja auch in unserer Musik hört. Wir sind ja mit Chorgesang aufgewachsen und gerade Judith, die in Amerika auch in einer A Capella Gruppe war, hört auch ganz viel A Capella Musik. Wir mögen beide auch Musicals, Folk natürlich, Irish Folk, Celtic Folk im Allgemeinen, Mehrstimmigkeiten. Ich, die Tini, hör aber auch ganz gerne mal härtere Sachen, also da kann es gerne auch mal etwas Metal sein, oder ein bisschen Hard Rock. Es muss aber eben noch schönen Gesang haben und es darf nicht nur Lärm sein. Also querbeet alles außer Techno und Rap.

Bernd Sonntag/ PurPur

Review: Markus Heitz und Corvus Corax

Der Freitag stand beim Festival-Mediaval ganz im Zeichen des Drachen: Bereits zum fünften Mal beehrten die Spielleute von Corvus Corax Selb und hatten sich in diesem Jahr erneut prominente Verstärkung mitgebracht.Markus Heitz Gemeinsam mit dem Fantasymogul Markus Heitz stellten Castus, Norri und Co ihr neuestes Projekt, das Fantastical „Der Fluch des Drachen“, im vergrößerten Literaturzelt vor. Dieses war sogar umgezogen und hat nun einen perfekten Platz auf dem weiträumigen Festivalgelände gefunden. Anstelle mit einer schnöden Lesung unterhielten die Herren hier die zahlreichen Zuschauer mit Anekdoten aus dem Entstehungsprozess der Geschichte. So sollte eigentlich Castus zunächst den Schmied spielen. „Aber für diese Rolle war ich zu lieb“, erzählte der Spielmann im Plauderton. Markus Heitz schob direkt hinterher: „Natürlich nur die Stimme, als Person ist das eine ganz andere Sache.“ Der Schriftsteller, der schon für das Bühnenstück „Die Zwerge“ mit Corvus Corax zusammenarbeitete, erklärte auch, warum sie sich gegen eine klassische Lesung entschieden haben: „Das überlasse ich schön unserem „richtigen“ Vorleser, Johannes Steck.“ Diesem zollt der ehemalige Journalist hohen Respekt vor seiner Leistung. „Gegen Johannes anzulesen, das wäre quasi Selbstmord.“
Stattdessen improvisierten sie sich durch eine angenehme Listening Session, die bei den Festival-Mediaval Gängern regen Zuspruch fand. Das kleine Zelt platzte aus allen Nähten, bis auf den Weg standen die Menschen. Im Inneren herrschte derweil ausgelassene Stimmung. Corvus Corax und Markus Heitz spielten die Stücke aus dem Fantastical auf Zuruf an, reagierten mit Wortwitz und Charme auf die Einwürfe ihres Publikums… Die ganze Veranstaltung hatte mehr von einem intimen Zwiegespräch als von einer offiziellen Lesung. Das Literaturzelt erlebte somit gleich am ersten Tag eine grandiose Eröffnung durch die Könige der Spielleute selbst.

Im Übrigen schloss sich der Kreis bei diesen auch wieder. Schließlich beendeten die Berliner den ersten Abend auf der großen Bühne auch mit einem fulminanten Festivalset vor euphorischen Festival-Mediaval Gängern, eine imposante Darstellung mit spürbarer Energie und Lust auf Seiten der Spielleute. Mit der würdevollen „Hymnus Apollon“ betrat Corvus Corax die Bühne; mit einer beeindruckenden Bühnenpräsenz, die dem Hoheitstitel der Spielleute mehr als gerecht wurde. Derart ernst blieben die Herren um Castus jedoch nicht lange, unterbrachen sie ihre Darbietung bisweilen für zwei Gedichte. Diese trug Jordan vor. Darunter auch eine keltische Weise, die schon vor der eigentlichen Pointe sowohl dem Vortragenden als auch wissenden Zuhörern ein breites Grinsen entlockte. Denn wer hat sie noch nicht gehört, die Leidensgeschichte des armen Zeltenden, der sein Leid über die frostigen Temperaturen mit einem „Sch**** Kälte!“ in die Nacht herausrief. Die Antwort kam auf der Bühne mit Stimmgewalt von Castus: „Selber sch**** Kelte!“
Mit Auflockerungen wie den Gedichten von Jordan oder den markigen Sprüchen von Castus schuf Corvus Corax nach und nach eine fröhliche, unbeschwerte Stimmung auf dem Festival-Mediaval, das Konzert nahm schnell Fahrt auf und gipfelte schließlich mit dem Titel „Havrue“ in seinen Höhepunkt. Ganz im Sinne der Musiker, wie Castus schließlich erklärte: „Im Programmheft steht zwar, dass bei uns auch die geheimnisvolle, mystische Seite des Mittelalters im Fokus steht“, so der charismatische Frontmann. Doch an diesem Abend wollten sie lieber feiern, einige ausgewählte „schwere“ Schwerpunkte setzen, was ihnen auch mühelos gelang: Fast alle konnten sie mitsingen, tanzten und feierten, man kann es fast Frühlingsstimmung nennen, was trotz schon fast winterlicher Kälte an diesem Abend stattfand. So viel Herzblut auf Seiten des Publikums musste natürlich belohnt werden. Und so „schenkte“ Corvus Corax den Fans gleich eine Kostprobe des neuen Albums, das im kommenden Jahr in den Startlöchern stehen wird.
Dem viel beschworenen Wunsch, dieser Abend möge niemals enden, kam Corvus Corax zumindest teilweise entgegen. Denn anstelle pünktlich nach den angeschlagenen neunzig Minuten zu enden, überzogen die Spielleute ihre Spielzeit um eine gute halbe Stunde. Einfach aus Spaß an der Freude, einfach nur, weil es so schön war. Ein Festivalerlebnis, wie es das nur auf dem Festival-Mediaval gibt. Beendet wurde der Auftritt mit einem Song, der nach den ersten Tönen bereits erste „Aha“-Effekte unter den gebannten Zuhörern auslöste – mit dem Theme des persönlichen Corvus-Corax-Traumas „Game Of Thrones“.
Mit dem Auftritt von Corvus Corax präsentierte sich das Festival-Mediaval nach dem eher klassischen, besinnlichen Kirchenkonzert am Mittwoch tags darauf von seiner anderen Seite: Ein ungezwungener Abend unter Freunden ohne jegliche Konventionen einschließlich einer spontanen Setlisten-Veränderung von Castus, wollte er doch einmal sehen, wie spontan seine Mitmusiker überhaupt sind. Diese Feuerprobe haben sie bestanden – eine überzeugende Leistung von Corvus Corax!

Corvus Corax Corvus Corax bei der Lesung

Leoni Dowidat/Bernd Sonntag

Highlight-Box - Faun

Faun Faun auf der Bühne

Wie keine andere Band verstehen es die virtuosen Musiker, die alten Instrumente mit modernen Einflüssen zu kombinieren und eine treibende, wie auch zauberhafte Stimmung zu kreieren. Der Klang der mittelalterlichen Instrumente schwebt über archaischen Klanglandschaften. Übergrosse japanische Taiko Trommeln und elektronische Rhythmen treffen auf althochdeutsche Zaubersprüche.
Einflüsse des Celtic & Nordic Folk verwachsen mit Dudelsack, Harfe, Drehleier und Laute zu einem beschwörenden Ganzen. Über all dem stehen die betörenden Gesänge von Oliver S. Tyr, Sonja Drakulich und Fiona Rüggeberg mit bis zu dreistimmigen Gesangsätzen, deutschen Balladen und ausdrucksstarken Vertonungen von mittelalterlichen Texten. FAUN begeistern eine rasant wachsende und Genre übergreifende Anhängerschar.
Neben bis zu dreistimmigen Gesangssätzen reicht das Instrumentarium von FAUN über keltische Harfen, schwedische Nyckelharpa, Fiedel, Dudelsäcke, Cister, Davul, Waldzither, Flöten und Chalmeaux bis in die arabische Musik hinein mit Dombra, Rebab, Riq, Oud, Darabukka und Bendir.

In diesem Sinne spielten sie seit 2002 weltweit über 700 Konzerte.
Die sieben Tonträger der Gruppe FAUN sorgten szeneübergreifend für Aufsehen und verkauften sich insgesamt über 120.000 Mal.

Impressum

Chefredakteurin
Rhea Lange
Autoren
Amandara, Bläcky, Bernd Sonntag, Danger Dan, Elke Schertel, Leoni Dowidat, Rhea Lange, Sascha, Tine
Leiter IT
Trond Schertel
Fotos
Bernd Sonntag, Elke Schertel