Mediaval-Bote

Nachrichten vom Goldberg

Grußwort

Für uns war das Festival-Mediaval eines der Highlights in den letzten zwei Jahren. Zunächst natürlich die Erinnerung an ein hartes Klang- und Klampfengefecht 2015, bei dem wir uns das „Goldene Zwerchla“ erkämpfen und klebrig von so mancher Bierdusche in unseren Proberaum schleifen konnten. Beeindruckt hat uns damals schon die fantastische Organisation, Bandbetreuung, das wunderbare Essen und nicht zuletzt die zahllosen Artisten, Statisten, Händler, Fressbuden und kunterbunten Menschen aus allen Ecken des Landes. Nicht zuletzt auch deshalb freuten wir uns dann wie die fränkischen Schnitzel auf unser „zweites Mal“, diesmal auf einer der großen Bühnen. Nachdem wir am Vorabend zu unserem Konzert in 2016 erstmal ordentlich mit unserer lieben Ella von Fuchsteufelswild gezubert hatten, konnte zu früher Stunde bereits unser volles Programm „des Teufels Tanzmusik“ aus dem Hut gezaubert werden. Mit so einem fantastischen Publikum hätten wir nicht gerechnet. Nachdem Bläckys Backstage-Biermarken am Nachmittag aufgebraucht waren, ging’s dann an den Mittelaltermarkt-Met, köstlich! Daraufhin wurden Bartwetten abgeschlossen, Nüsse geknackt und so manche legendäre Mediavalabend-Geschichte geschrieben…
In diesem Sinne, genießt die Zeit!
Eure

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Kilkenny Knights

Bild des Tages

Foto von Bernd Sonntag

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Harmlose Bücher und gefährliche Legenden

Der Freitag im Literaturzelt zeigte viele Facetten von Büchern, die mit dem Mittelalter direkt oder indirekt zu tun haben. Tommy Krappweis begann mit einem witzigen Vortrag. Der Mediaval-Bote wollte wissen, warum er sich die vier vollen Tage Mediaval gibt, obwohl sein Terminkalender mehr Einträge als freie Zeiten hat: „Weil es etwas Besonderes ist, das es sonst nicht gibt. Die Atmosphäre ist friedlich, sie ist familiär trotz der Größe. Vor zwei Jahren habe ich hier meinen Film „Mara und der Feuerbringer“ gezeigt. Die ganze Zeit war das Kinozelt voll. Manche Leute sind teilweise drei bis viermal reingerannt. Das war einfach cool.
Mit Prof. Simek gemeinsam erzählen wir heute ab 13:45 Uhr von unserer gemeinsamen Zeit und Arbeit, die neben gegenseitigem Respekt von einer gigantischen Portion Humor geprägt ist. Es gibt Leute, die kommen, weil sie etwas lernen wollen, und andere, die sich einfach gut unterhalten fühlen wollen. Ich gebe mir dieses Jahr die volle Packung Festival-Mediaval X und lagere auch. Ich habe Thor extra um durchwachsenes Wetter gebeten, um das Mittelalter bis in die Knochen zu spüren.“
Der studierte Historiker Robert Focken präsentierte gestern den interessierten Zuhörern sein Debüt „Arnulf – Die Axt der Hessen“. Der Autor las von einem spannenden Zweikampf, der für den Widersacher seines Protagonisten blutig endete. Im Anschluss daran bewies Focken mit einem anschaulichen Exkurs in das Strafrecht des Mittelalters, dass seine Werke nicht nur durch energiegeladene Action, sondern auch fachliche Recherche bestechen.
Die Gebrüder Orgel beginnen heute um 11:15 Uhr. Als gewiefte Rollenspieler lassen sie ihre Ideen und Welten in ihre Romane fließen. Die Polizei hat ihnen zwar auf dem Weg zum Goldberg bescheinigt, dass die „Blausteinkriege“ harmlos sind. Dabei beschreiben sie eine unerbittliche Auseinandersetzung um einen begehrten Rohstoff. T.S. Orgel haben eine dichte Welt erfunden und eine Reihe charakterlich tiefgründiger Protagonisten. Sie sind schon ganz gespannt auf Euch und haben nur das Beste vom Mediaval gehört. Kommt zahlreich zu 11:15 Uhr, es lohnt sich.
Über die Kinder- und Jugendbuchautorin Katja Brandis berichtet Euch Bernd Sonntag. Wir sind stolz, dass sie ab 12:15 Uhr bei uns lesen wird.
Robert Corvus fesselt Euch ab 15:15 Uhr mit „Grünes Gold“. Arzulans Urwald ist Heimat von Legenden. Einige davon sind ebenso gefährlich wie die flammenden Herzen der Dämonen, denen die Söldner Rorgators huldigen. Die Baronie Klataal holt Jade aus den grünen Schatten der Bäume – doch auch anderes …
Ist sie dabei zu weit gegangen? Das Geheul der Waldstämme weckt mythische Schrecken. Grenzsiedlungen brennen.
Die besten Krieger der Welt werden angeheuert, um die Wilden zurückzuschlagen. Doch der Schutz der Baronie ist nur ein Teil des Kontrakts, den die Kampfherren des Klingenrauschs mit ihrem Blut siegeln. Gefangene erzählen vom Herzen des Waldes und die Söldner senden Spähtrupps aus. Sie wollen dieses dunkle Wunder finden – und den Stahl ihrer Klingen hineinstoßen.
Die Koryphäe der Forschung über nordische Geschichte und ihre Mythen, Prof. Rudolf Simek präsentiert Euch in einem packenden Vortrag die neuesten Erkenntnisse über Wikingerzeit und Wikingermythos: 16:15 Uhr.
In unserem weiß-roten Zelt gegenüber vom Workshop-Zelt signieren die Autoren jeweils nach ihrer Lesung ihre Bücher und stehen zu einem Gespräch bereit. Dort gibt es auch heute noch die Bücher von Peter Lancester, Astrid Rauner und die CD „Der Fluch des Drachen“ von Markus Heitz und Corvus Corax sowie „Ars Mystica“ von den Corviten.

Amandara

Festival-Mediaval in Tschechien und Österreich

Bläcky Schwarz hat im Jahr 2017 nach 35 Jahren seine Marktfahrerei an den Nagel gehängt, da er sich fortan ausschließlich dem Festival-Mediaval widmen wird. Sein Plan ist es, dieses in weiteren europäischen Ländern stattfinden zu lassen.
Erste Adresse dafür ist die Stadt AS in unmittelbarer Grenznähe. Ursprünglich war geplant, bereits schon dieses Jahr eine Woche vor dem Event in Selb einen zweitägigen Ableger in As durchzuführen. Leider hat sich dieses wegen bürokratischer Hürden auf der Ascher Seite zunächst zerschlagen. Aber Bläcky verhandelt weiter und so hoffen wir, auch im Interesse der Einwohner von As, dass es nächstes Jahr klappen wird.

Das zweite Land für einen Festival-Mediaval Ableger ist Österreich. Nachdem dort mehrere Örtlichkeiten besichtigt wurden, fiel die Entscheidung, es in Oberösterreich stattfinden zu lassen. Bei dem Areal handelt es sich um den Park eines Schlosses, ähnlich dem Goldberg, nur flach. Auch die Infrastruktur auf dem Gelände für die Versorgung mit Strom und Wasser passte. Der Schlossherr selbst war ebenso begeistert von den Plänen wie der Bürgermeister und so schien alles perfekt zu sein. Nun ist es so, dass in Österreich bei Veranstaltungen, die eine Besucherzahl über 2000 erreichen, auch die Erlaubnis der Bezirksregierung einzuholen ist. Da leider im Vorhinein nicht absehbar ist, wie viele Menschen kommen werden, schien es nur natürlich, korrekterweise diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen und mit der Bezirksregierung entsprechend zu verhandeln.
Leider war die Chefin dieser Behörde offensichtlich nicht daran interessiert, eine Zusammenarbeit mit Bläcky zu fördern. Die Anhörung glich einer Gerichtsverhandlung, bei der Bläcky nicht wie ein Partner auf Augenhöhe behandelt wurde. Dies ist unverständlich, da durch dieses Verhalten nun der Gemeinde beziehungsweise dem Bundesland die Vergnügungssteuer, die in Österreich anstelle der Gewerbesteuer entrichtet werden muss, entgeht. Für das Festival bedeutet dies, dass es nun eventuell in Kärnten stattfinden wird. Auch dort gibt es eine Gemeinde, deren Areal sich für die Durchführung gut eignen würde. Der Bürgermeister ist hellauf begeistert und sieht auch hinsichtlich der Zustimmung der Bezirksregierung keinerlei Probleme.
Wann es letztendlich realisiert werden kann, ist leider noch nicht klar.

Trotz aller Hindernisse wird Bläcky weiterhin versuchen, das Festival-Mediaval in anderen Ländern zu etablieren. Wir hoffen, dass diese Vision auch bald umgesetzt werden kann.

Elke Schertel

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Der Ritterladen Der Ritterladen

Bucht für Bucht: Pyrates

Nicht nur das Mediaval feiert Zehnjähriges Jubiläum, sondern auch die Pyrates!. Seitdem es die Goldbergbucht gibt, sind auch Sie mit dabei. Sie besitzen dieses Jahr wieder das Privileg auf dem Floß spielen zu dürfen und jedes Mal wenn Sie das tun, bebt die Bucht.

Aber wie begann denn nun die Geschichte der Pyrates!?

Kapitän Gallows rekrutierte seine Mannschaft im Jahre 1705. Diese Gruppe aus plündernden Piraten verließ jedoch kaum die Bucht und spielte lieber in der örtlichen Taverne alte Seemannslieder… Zumindest wollen sie, dass diese Geschichte von allen geglaubt wird. Wir wissen es war anders:
2003, als eine Gruppe die einfach gern gemeinsam trinkt und Spaß hat, zogen sie schon damals als Piraten verkleidet durch die Bars. Zu diesem Zeitpunkt war an Musik noch nicht zu denken. Lange überlegten sie, was sie denn nun als Gruppe anstellen könnten, außer trinken. Im Trinken waren sie gut, das konnten sie. Nach einem kleinen Schubs von außen und dem Kopf voller Seemannslieder, machten die Pyrates! Ihr erstes Demo Tape fertig. Noch im selben Jahr traten sie erstmalig in einem kleinen Pub auf. Seitdem hatten Sie über 400 Liveauftritte in Pubs, Festivals und anderen Veranstaltungen.
Einer davon war vor 4 Jahren in der Goldbergbucht. Es war verregnet und nur wenige trauten sich in die schlammige Bucht. Viele kannten die Pyrates! nicht und so war die Bucht bei dem ersten Auftritt nur mäßig gefüllt. Doch den Spaß und das Feeling für Zuschauer und Band selbst, hat sie selbst damals schon so verzaubert, dass Sie ein freiwilliges Zusatzkonzert spielten. Auch unter den Gästen sprach sich die Band rum wie ein Lauffeuer und nun ist die Bucht bei jedem Auftritt berstend gefüllt.
Jedes Jahr aufs Neue sind die Pyrates! zu Gast in der Bucht und jedes Jahr trinken und feiern Sie dort mit den Piraten der Goldbergbucht und natürlich den Gästen die sich dorthin trauen. Also kommt vorbei, trinkt einen Rum oder eines der anderen köstlichen Kalt- und Heißgetränke und lasst euch von dem karibischen Flair verzaubern.

Tine

Jubiläumsinterview: Marcus van Langen

Marcus van Langen Marcus van Langen

1. Lieber Marcus, dein Bühnenoutfit ist sogar älter als das Festival-Mediaval. Wäre das 10-Jährige nicht ein guter Grund es feierlich in Rente zu schicken?
Naja, es waren immer drei identische Bühnenklamotten und die am wenigsten verdreckte habe ich angezogen, aber eigentlich sind sie alle bereits ausgemustert – zumindest das, was davon übrig war.

2. Wie schaffst Du es nur trotz zwischenzeitlicher (Mit-) Schwangerschaft da immer noch reinzupassen
Haha, das habe ich ganz einfach gelöst und mir drei neue machen lassen, die sehen auch noch relativ gut aus!

3. Als Gesicht des Festivals bist Du ja immer dabei, auch schon 2x mit Des Teufels Lockvögel. Was erwartet uns 2017 und wer ist Eure weibliche Stimme?
Wir haben unsere nagelneue CD „Fetus“ in einer limitierten und nummerierten Sonderauflage im Gepäck – also ranhalten! Davon werden wir auch mindestens zwei Lieder spielen und auf die alten Hits wie Hexentanz, drei Spielleut oder den Spielmann von Pertenstein können wir natürlich nicht verzichten. Kannst Du Dir ein Rolling Stones Konzert ohne Satisfaction vorstellen? Die ungefähre Setlist machen wir dann wie immer beim Soundcheck aber während dem Konzert kann sich diese noch ändern. Es ist eine Sache der Stimmung. Bei der Besetzung der Band halte ich es ja gerne familiär und Mika Morgenstern ist auf jedem Lied der neuen CD zu hören und da war es naheliegend, sie auch mit Gesang, Flöte und Harmonium mit auf die Bühne zu nehmen. Ich denke, dass auch Laui für ein gemeinsames Lied mit auf die Bühne kommen wird.

4. Du hast auch schon zur Morgenandacht geladen, wie es sich für einen Spielmann gehört am Nachmittag. Wie ist eigentlich Dein Bezug zum Thema Religion.
Ohne Religion wäre die menschliche Existenz undenkbar; aber Religion passiert im Kopf und im Herzen, vielleicht auf einer Lichtung im Wald oder auf einem einsamen Berg, aber sicher nicht in einer kalten Kirche von einer Kanzel mit erhobenem Zeigefinger gepredigt. Du wirst lachen, ich hatte mir ernsthaft – soweit das bei mir möglich ist – überlegt Theologie zu studieren um Einblick in diese Materie zu kriegen, aber es gibt kaum etwas komplexeres und verlogeneres als das so genannte Christentum. Stell Dir mal vor, der Herr Jesus kommt wieder und was er sieht sind Kreuze. Da hat er sicher besondere Lust drauf. Natürlich macht uns die Zensur durch den Klerus und die diversen Spiel- oder Liederverbote schon zu schaffen und das im 21. Jahrhundert. Ich wollte nie Politik machen, aber wo es langt da langt‘s und wenn wir die Lieder nicht singen dürfen, dann lassen wir sie vom Publikum singen! Wir schaffen uns selbst die Welt in der wir leben und können entscheiden wie wir sie gestalten wollen, wir können uns für oder gegen ein System, für oder gegen eine Religion entscheiden und wir können unsere eigene „basteln“. Wir werden nicht mehr angezündet wenn wir mit der Kirche nicht konform sind – wir bekommen höchstens Spielverbot und zahllose Auflagen – aber das ist natürlich Öl für mein persönliches Feuer und dieses Feuer brennt und lodert.


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Bernd Sonntag/ Marcus van Langen

Fortsetzung Jubiläumsinterview: Marcus van Langen

Marcus van Langen Marcus van Langen

5. Du hattest soviel ich weiß am Anfang große Zweifel, dass das Festival eine Zukunft hat (wie nicht wenige). Was sagst Du nun?
Das ist leider eine absolute Fehlinformation! Genau das Gegenteil war der Fall! Ich bin ja bekanntlich zu allen Schandtaten bereit und je abgedrehter die Idee, desto interessanter. Unser „Urgestein“ Bläcky kenne ich quasi seit es das „neue Mittelalter“ gibt und als er mich 2005 oder 2006 fragte, ob ich dabei wäre, wenn er ein Festival macht, habe ich sofort und ohne Umschweife zugesagt – allerdings hätte ich diesen Erfolg, der natürlich auch Bläckys Beharrlichkeit zuzurechnen ist damals nicht erwartet – und schon gar nicht, dass ich weitere zehn Jahre Mittelaltermusik mache.

6. Was hat sich in Deinen Augen in den letzten 10 Jahren, verbessert und was macht für Dich den Reiz dieses Festivals aus.
Das allerwichtigste ist erhalten geblieben; der familiäre Charakter! Und das ist bei dieser Größe schon etwas besonders Schönes. Man kennt sich, wird bestens betreut und es passieren sehr viele schöne, wichtige und lustige Dinge sowohl im Backstage, als auch auf dem Gelände. Ich könnte über jeden Tag eine Geschichte schreiben, das Problem ist nur, dass ich einen ganzen Tag dafür bräuchte! „Verbessern“ ist eine komplizierte Sache, denn da müsste man erst einmal überlegen, was „schlecht“ ist und das Wetter ist eben, wie es ist!

7. Worauf freust Du Dich denn (neben Deinem Auftritt natürlich) besonders?
Die Kollegen, Besucher, das Publikum und auf viele erbauliche Gespräche und verdammt gute Gesellschaft.

8. Wo trifft man Dich abseits der Bühne am ehesten an, gibt es einen Lieblingsplatz/Stand etc.?
Ich werde mich sicher nicht im Backstage verstecken sondern mich auf dem Festival herumtreiben. Wo ein paar gute Leute beisammen sind, bin ich sicher auch dabei und Nachrichten nimmt der Hornschnitzer Andreas Walter an seinem Stand entgegen, da komme ich oft vorbei und weiß, wen ich wann und wo verpasst habe! Ich werde mir dieses Jahr auch einige Konzerte ansehen und das Festival genießen. Wir haben ja nur den einen Auftritt am Samstag Nachmittag und nicht wie z.B. 2012 jeden Tag einen Auftritt in anderer Besetzung.

9. Das Festival zeichnet sich Jahr für Jahr durch ganz besondere Auftritte und auch viele Gastmusiker aus. Mit wem würdest Du denn gerne mal auf der Bühne stehen?
In den vielen Jahren, in denen ich Musik mache, habe ich mit so ziemlich allen von Rang und Namen auf der Bühne gestanden, aber wenn Tom Waits kommt, dann entere ich die Bühne, egal ob er mich dabeihaben will oder nicht!

10. Bei dem „van Langen“ Konzert auf dem Festival-Mediaval 2009 hast Du zur Verblüffung des Publikums Deine Gitarre auf der Bühne zerstört, das gab es doch auch in den 60er/70er Jahren bereits.

Ja der größte Gitarrenzerstörer ist und bleibt Pete Townshend (The Who) er hat das wohl erfunden. Es ist auch gar nicht so einfach und ungefährlich eine Gitarre „fachgerecht“ zu zerlegen. Wenn das Teil nach vielen Versuchen gebrochen ist – manchmal geht’s auch schneller, das kommt auf die Qualität der Gitarre an – bleiben die Saiten trotzdem intakt und dann kommt der Korpus wie ein Boomerang zurück. Da muss man schnell in Deckung gehen. Es kommt natürlich auf den Grund an warum man seine Gitarre kaputt macht. Für Pete und die anderen Helden in den guten alten Zeiten als die Rockmusik noch jung war, war es eine Form der Gewalt, ein: „Zerstöre was Du liebst“ und eine Demonstration der Gewaltbereitschaft der Jugend. Ich habe dabei eine gänzlich andere Intention. Das zerstören oder besser gesagt unbrauchbar machen der Gitarre ist eine symbolische Handlung, ein Ritual, eine Votivgabe an die Götter der Musik, es ist also eine Kulthandlung. Die Kelten haben ihre Schwerter verbogen oder zerbrochen, bevor sie der Gottheit geopfert wurden und so halte ich es mit der Gitarre.

Review: Daemonia Nymphe und Faun

Faun Faun

Eigentlich haben wir uns ja vorgenommen für jede Ausgabe ein Review eines Konzertes zu veröffentlichen, der Ablauf des gestrigen Abends zwingt aber schon fast dazu, diesen Plan über Bord zu werfen. Denn mit den Griechen von Daemonia Nymphe und Faun standen hintereinander zwei Bands auf der Bühne, die musikalisch geradezu perfekt zusammenpassten. So ist es eigentlich auch nicht verwunderlich, dass Rüdiger Maul von Faun für einen Song die „Griechen aus London“ auf der Bühne unterstützte und damit den eh schon beeindruckenden Trommelsound noch eindrucksvoller machte.
Festival-Mediaval Wiederholungstäter, davon gibt es ja inzwischen immer mehr, kennen die Band bereits aus den Jahren 2009 und 2011. Schon da zeichneten sie sich durch eine sehenswerte, etwas skurrile Bühnenshow aus. Seitdem hat sich die Band aber sowohl was die Bühnenshow, wie auch was das Musikalische betrifft gewaltig weiterentwickelt. Allerdings, und das soll hier gar nicht verschwiegen werden, sind Daemonia Nymphe, wie Faun übrigens auch, sehr polarisierend. Wer mit der Musik, die man gerne dem Neofolk zuordnet, ohne der Band damit wirklich gerecht zu werden, nichts anfangen kann, dem hat höchstens das Treiben auf der Bühne und zwischendurch das Feuer im Fotograben, davon abgehalten nicht nach dem ersten Song das Weite zu suchen. Spätestens zumindest, als auch der letzte gemerkt hat, dass nun nicht „The Phantom of the Opera“ zur Aufführung kommt, wie es die Masken der Musiker vielleicht zu Beginn vermuten ließen. All die anderen, die die Band mit ihrer Musik packen konnte, für die war der Auftritt ein echtes Highlight.
Als ganz großes Plus sind die Tänzerinnen der Band zu nennen, die den Auftritt mit großem Einsatz unglaublich abwechslungsreich gestalteten. Egal ob mit 2 Masken am Kopf und zweien in der Hand, mit Feuer, oder mit diversen Stoffutensilien. Einmal erinnerten die beiden zwar wieder typisch griechisch skurril, eher an einen aus der Mode gekommenen Lampenschirm, aber trotzdem war es immer höchst sehenswert, was man sich zur Songuntermalung ausgedacht hatte. So war es wirklich faszinierend zu beobachten, wie reserviert das Publikum zunächst auf die Musik und die sich in einer Stoffbahn räkelnden Frauen reagierte, die Band von Song zu Song aber immer mehr Menschen im Publikum mitnehmen konnte, bis am Ende die Menge richtig dabei war. Alle die sie diesmal verpasst haben und sich jetzt vielleicht ärgern, können beim Best-Of-10-Years Versäumtes nachholen. Es lohnt sich zweifellos.
Richtig Stress hatte Rüdiger Maul vorm Faun Auftritt durch seinen Gastauftritt bei Daemonia Nymphe, der erst ganz kurz vor dem offiziellen Faun-Konzertbeginn endete. So dauerte es zwangsläufig ein paar Minuten länger bis das Konzert begann. Die wenigen Pfiffe, es waren übrigens die einzigen die an diesem Abend zu hören waren, waren somit höchst überflüssig. Der größte Unterschied beider Bands war, dass Faun nicht mal einen Song brauchte, um das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Denn schon nach den ersten Klängen des Openers Andro feierte das Publikum eine der beliebtesten Bands der 10-Jährigen Mediaval-Geschichte euphorisch. Das war umso bemerkenswerter, weil der Ausnahmedrehleierspieler Stephan Groth mit „Rücken“ passen musste. Damit ist, wie Oliver S Tyr betonte, wirklich nicht zu spaßen und gerade Drehleierspieler scheinen von hartnäckigen Rückenleiden überproportional betroffen zu sein. Stephan Groth also nicht dabei. Das ist ungefähr so, wie wenn Real Madrid ohne Ronaldo antreten muss. Es geht schon, aber… An dem Abend ging es, wohl auch dank des „Apple-Mannes“ Niel Mitra erstaunlich gut. Wind und Geige und Alba ließ man als nächstes dem Opener folgen, bei dem das bestens gelaunte Publikum etwas Pyrotechnik bei Faun erleben durften, was dem Auftritt einen zusätzlichen Reiz gab. Erstmals in Selb dabei hatte man die hübsche Schweizerin Laura Fella, die mit ihrer Stimme und dem fröhlich strahlenden Lächeln andeutete, dass sie zum Glücksgriff für Faun werden könnte. Mit dieser kalten Nacht hatte man den besten Song für die an diesem Abend mal wieder ziemlich kalten Temperaturen ebenso in der Setlist, wie die Songs Odin, Pearl, Rabenballade, Iduna und Lyansa. Gerade der Song über den Göttervater Odin, der 9 Tage und 9 Nächte mit dem Kopf nach unten hing (Nachahmung nicht empfohlen) um die Runen (im Text des Songs singt man von 16 magischen Zeichen) zu empfangen funktioniert auch ohne den auf der neuen CD Midgard zu hörenden Einar Selvik extrem gut. Und so näherte sich das Konzert von Song auf Song seinem Höhepunkt mit einer Zugabe, die vehement vom Publikum gefordert, auch gerne von Faun erfüllt wurde.
Einmal mehr zeigte sich an diesem Abend, dass das Live Erlebnis Faun noch immer ein absolut schönes und beeindruckendes ist. Dazu hat übrigens auch ein überzeugender, im Vergleich zum letzten Mediaval-Auftritt wohltuend deutlich weniger Bass-lastiger Sound beigetragen, sowie eine extrem sehenswerte Lichtshow.

Leoni Dowidat/Bernd Sonntag

Highlight-Box - In Extremo

In Extremo In Extremo

Der donnernde Jubel des „20 Wahre Jahre“ Jubiläums Festivals letztes Jahr auf der Loreley klingt noch in den Ohren. Es war ein standesgemäßes Fest, das IN EXTREMO mit ihren Fans gefeiert haben. Ausverkauft! Vom WDR ROCKPALAST im Fernsehen festgehalten! Mit einer Atmosphäre, die noch heute beim Gedanken an die Spätsommernächte Gänsehaut verursacht.
Nun ist die größte Mittelalter Rock Band wieder da! Mit ihrem zwölften Studioalbum „Quid Pro Quo“! Platin-/Gold-Auszeichnungen, Platz Eins Positionen in den Charts, ausverkaufte Hallen und fulminante Festivalauftritte haben die Sieben nicht müde gemacht. Ganz im Gegenteil! Es juckte wieder in den Fingern.
Mit „Quid Pro Quo“ werden IN EXTREMO wieder durch die Lande touren. Deutschland, Österreich, Schweiz, Weissrussland, Ukraine, Russland stehen bereits auf dem Plan. „Es wird ein neues Bühnenbild geben“, verspricht Van Lange. „Aber IN EXTREMO wird IN EXTREMO bleiben – ein gut gelaunter Haufen bunter Vögel“.
Und Frontmann Micha Rhein prophezeit: „Vor meinem inneren Auge sehe ich schon die Staubwolke, die entsteht, wenn wir "Störtebeker" auf einem Festival spielen. Darauf freu ich mich schon!“IN EXTREMO spielen heute Abend um 22:15 auf der Schlossbühne.

Impressum

Chefredakteurin
Rhea Lange
Autoren
Amandara, Bläcky, Bernd Sonntag, Danger Dan, Elke Schertel, Kiki Behmer, Leoni Dowidat, Mia, Rhea Lange, Sascha, Tine
Leiter IT
Trond Schertel
Fotos
Bernd Sonntag, Elke Schertel